Wir sehen uns auf der anderen Seite..

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10 Jan 2018
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Dieser Faden hier ist sicher einer der traurigsten im ganzen Forum...aber sicherlich auch einer der wichtigsten und bewegensten...

Der wilde Falk war mein Gesell,
Der Wolf mein Kampfgespann;
Mir fing der Tag mit Hundgebell,
Die Nacht mit Hussah! an;
Ein Tannreis war die Blumenzier
Auf schweissbeflecktem Hut
Und dennoch schlug die Liebe* mir
Ins wilde Jägerblut.

*und sei es die Liebe zu dem einzigen Lebewesen, dass, dem Sprichwort nach, Dich mehr liebt als sich selbst !


Mein Beileid...:cry: :sad:
 
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Plötzlich ging ganz überraschend der beste Cocker den ich je kannte, oft führen und auch gern beherbergen durfte. Immer brennend vor Arbeitseifer, bemüht jeden Auftrag zu erfüllen, phantastisches Wesen, perfekt abgerichtet, der beste Kumpan meines Terriers...

... bei einem oberflächlichen und eigentlich belanglosen Eingriff über den Regenbogen.
Wer soll verstehen, daß das Herz dieses Hundes, der stundenlang ausdauern laufen konnte und gerade in der besten Zeit seines Lebens stand, bei einer Alltagsnarkose versagte.

Ich wünsche seinem HF trotz fortgeschrittenen Alters, die Kraft noch einmal so viel Liebe in einen anderen Vierläufer legen zu können. In den letzten Feldern des Lebens schmerzt es unglaublich seinen Wegbegleiter lange vor der Zeit zu verlieren. Vielleicht auch weil man niemals zuvor so viel Zeit, Erlebnisse und Abenteuer gemeinsam teilen konnte und die Angst es auch nie wieder so intensiv zu können, immer mitschwingt.

Du alte Klette und Wasserratte, wir sehen uns alle auf der anderen Seite. Dann wirst du mich fragend anschauen, ich werde nicken und du kannst mit Anlauf in die Pfütze springen. Versprochen!
 
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Ich muss den Faden nun auch nutzen um ein wenig Traumabewältigung zu leisten. Die Hundeführer werden mich sicher verstehen und die, die keinen Hund führen, mögen es halt hinnehmen.

Gestern musste ich meine DD Hündin gehen lassen, die das - für einen solchen Hund - fast biblische Alter von 15 Jahren erreicht hatte. In den letzten zwei Wochen ging es rapide bergab und ihr Leiden wurde offensichtlich.

Es ist sicher schwierig, den eigenen Hund nüchtern zu beurteilen und dieses glaubwürdig zu formulieren. Da ich 'immer' Hund hatte und auch jetzt noch zwei habe, kann ich - wie ich glaube - vergleichen und das ein Stück weit tun.

Laura war wahrscheinlich der perfekte (Jagd)Hund. Bei den Pferdemenschen heißt es, man bekäme im Leben nur ein wirklich (richtig) gutes Pferd und vielleicht ist es bei den Hunden ähnlich. Ich denke, Laura war dieser eine besondere Hund!

Gegenüber Menschen immer freundlich, im Haus und im Umgang mit der Familie die extreme Schmusekatze und nicht einmal schwierig, wenn ich die grünen Sachen anlegte und sich die Haustür hinter uns schloss, hatte ich einen jagdlichen 'Königstiger' am Strick, der seinen Job noch im traditionellen Verständnis begriff und ihm nachging. Ja, die Passion dampfte häufig sehr dicht unter der Schädeldecke und es war immer ein wenig Herausforderung, ihre Motivation etwas einzugrenzen.

Als sie bei mir einzog, waren das hier im Münsterland noch vergleichsweise (!) goldene Niederwildzeiten und damit sah es nach einem arbeitsreichen Jagdhundeleben aus. Die Ausbildung hat sie mir, nachdem wir uns dann gefunden hatten, extrem leicht gemacht und mich in der VGP mit voller Punktzahl glänzen lassen. Sie war einer dieser Hunde, der, trotz aller Passion, immer das Gefühl vermittelt hat, einem gemeinsamen Auftrag zu folgen.

Jetzt kann sie auf der anderen Seite ihrer Lieblingsbeschäftigung nachgehen und intensiv Niederwild jagen. Da trifft sie dann wohl auch Jule, Debby, Boy, und Dino, die ihr voraus gegangen sind.


Grosso
 
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Ja @grosso da kann ich gut mitfühlen. Ist es doch schon über 1 Jahr her das ich meinen Tom über den Regenbogen gehen lassen musste. Ich denke heute noch oft an ihn und komme fast täglich an seinem Grabe vorbei. Das Hundeleben ist einfach zu kurz und die Zeit mit ihnen geht zu schnell vorüber. Mein Leben lang habe ich Hunde an meiner Seite gehabt und mit ihnen gejagd. Es ist jedesmal ein innerlicher Kraftakt sie gehen zu lassen. Auch jetzt sitzen hier neben mir 2 Nasen die im gehobenem (11 + 13) Alter sind und weiss das auch bei ihnen die Uhr bald abläuft.
Es gehört zu unserer Pflicht sie würdevoll gehen zu lassen und sie in gebührender Ehre im Gedächnis zu behalten. Ho Rüd Ho
 
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Lieber Grosso,

wenn man Deine Zeilen liest, und neben einem sitzt die kleine Münsterländer-Nase (gerade 2 Jahre alt) und bittet um Kraul-Einheiten, dann muss man schon stark an sich halten.
Es sind im besten Fall noch 10-12 Jahre, aber allein was Du beschreibst und der Gedanke es könnte einem ähnlich gehen, führen zu einem Dicken Kloß im Hals...
Behalte sie in guter Erinnerung und denk immer wieder an Eure gemeinsamen Stunden.
Unser aller Zeit ist kostbar und verrinnt schneller als wir glauben wollen!!!

Ho Rüd Ho
 
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Ich habe etwas unter Vierläufige Jagdgefährten geschrieben, s. dort.

Ein großer Verlust für meinen alleinstehenden Vater seit diesem WE...
Uns fehlt ein vertrautes Mitglied unserer kleinen Familie, wir haben alle schlechte Nächte zur Zeit.

Andererseits erfahren wir ganz klar die Erleichterung, einem anvertrauten Lebewesen schlimmes langes Siechtum abkürzen zu können! Hier stehen wir in der Verantwortung.
 
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Ja, zum großen Amüsement meiner Frau, rede ich auch häufig vom Seelenhund.

Da muss ich aber differenzieren: Laura war wahrscheinlich hinsichtlich ihrer Leistung und Arbeitauffassung der 'beste' Hund, den ich hatte und sie hat mir das Leben eher immer leicht gemacht. Zudem war sie mir bedingungslos treu ergeben.

Fällt mir ein bisschen schwer das in diesem Zusammenhang zu schreiben: mein Seelenhund ist aber der DJT. Er macht viel mehr Ärger, ist ein ausgemachtes kleines Ar...loch, stellt mich gerne in Frage, hat mich auf dem Weg zur GP Blut, Schweiß und Tränen gekostet aber wir haben sicher eine Seelenverwandtschaft.

Eigentlich ist er ein kleiner schwarzer Teufel, der mich, da bin ich sicher, liebt und mir überall hin folgt (wenn ich ihn lasse). Für ihn gibt es nur eine Person, der er auf Augenhöhe begegnet und der Rest sind Dosenöffner.

Wenn wir zu Jagd fahren und ich ihn vom Stand schnalle, dann ist er die treuloseste Tomate, die man sich vorstellen kann. Er jagt für sich und macht deutlich, dass er mich dazu auch nicht ernsthaft braucht ... aber ganz sicher ist er der/ mein Seelenhund.


Grosso
 
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