Auswirkungen von Zündhütchen auf den Druck

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#1
Hallo Wiederladergemeinde,

es wird immer wieder behauptet das sich Zündhütchen auf den Druck der Patronen auswirken.
Da ich zumindest mal unterschiedliche Geschwindigkeiten (und Präzision) bei ZH Wechsel messen konnte habe ich mal zwei identische Ladungen mit unterschiedlichen ZH ans BA München gesendet um den Mythos auf den Grund zu gehen.

Patronewar 6,5x55, Pulver: MRP, Hülse: Lapua, Geschoss: Nosler Accubond 140 grain.

Hier die Werte (bitte nicht auf die Geschwindigkeit laden da der Druck Pmax überschreitet!):

ZH: CCI BR2
Druck: 3852 bar (Standardabweichung: 61 bar)
V0 (60cm Lauf): 852 m/s (Standardabweichung: 2,2 m/s)

ZH: F215M
Druck: 3920 bar (Standardabweichung: 73 bar)
V0 (60cm Lauf): 857 m/s (Standardabweichung: 4,7 m/s)

Da sich die Drücke bei unterschiedlichen Patronen und Pulver anders verhalten können würde es mich freuen, wenn wir hier noch weitere Messwerte zusammenkriegen.

Gruß
Lacky
 
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#2
Neben vielen mehr oder weniger banalen Fragen, die hier erörtert werden mal eine, die wirklich von Interesse ist.

Ich habe mir schon oft Gedanken darüber gemacht, habe den Einfluss der ZH aber bisher ignoriert. Ein Grund mag sein, dass es als Variable bei QL nicht berücksichtigt wird.

Ich bin nicht QL gläubig, nutze es eigentlich nur um die Einstiegslaborierung zu finden, denke aber Meister Brömel hat da schon viel Gehirnschmalz reingesteckt.

Zur Überprüfung nutze ich ein Chrony, Gasdruck beim BA habe ich noch nie messen lassen.

Mal sehen was hier von der WL Gemeinde noch so kommt.

Beste Grüße: Bo
 
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#3
Jagdliches Schießen:
Solange Du bei den gängigen Markenzündern innerhalb der Marke und der Klassifizierung bleibst - also nicht z.B. "LR-Standard" mit "LR-Magnum" mischst, gehen die Unterschiede im Grundrauschen der verschiedenen Einflussgrößen unter.
Auch lohnt sich - meiner langjährigen Erfahrung nach - nicht der Einsatz teu´rer "Spezialzünder" beim Laden jagdlicher Ladungen.
Benchrester mögen das ganz anders beurteilen.
----------------
Allgemein gilt für mich: je kleiner das Kaliber um so größer machen sich unterschiedliche Komponenten bemerkbar. (Bei meiner 9,3x62, 9,3x72R und 9,3x74R z.B. landen die Batzen bei gleicher Geschoss- und Pulverladung immer im gleichen Ring, egal welche sonstigen Komponenten genutzt wurden)
 
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#4
Na ja wenn ich anstatt die namhaften ZH RWS5341anstatt der CCI BR2 oder F210M verwende messe ich gute 13m/s weniger. Da würde ich auch interpretieren dass es etwas mit dem Druck zu tun hat? Nur habe ich noch keine Ladung mit den RWS5341 zu F210m / CCI BR2 / CCI 200 messen lassen.
 
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#5
Wesentlicher als die absoluten Geschwindigkeit(sspitz)en ist die Gleichmäßigkeit des Abbrandes - und nach mir bekannten Messungen waren RWS-Zünder in dieser Beziehung nicht schlecht.
Merke allgemein: Wiederladen ist primär ein beachten standarisierender Maßnahmen.
 
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#6
Wesentlicher als die absoluten Geschwindigkeit(sspitz)en ist die Gleichmäßigkeit des Abbrandes - und nach mir bekannten Messungen waren RWS-Zünder in dieser Beziehung nicht schlecht.
Merke allgemein: Wiederladen ist primär ein beachten standarisierender Maßnahmen.
Ja die RWS ZH liefern sehr gleichmäßige V0 Werte und sind sicher keine schlechten ZH. Dennoch können hier Druckunterschiede bis zu 300 bar entstehen wenn man z.B. von einer "bewährten" Ladung mit RWS ZH auf F210M wechselt. Und beide sind nahmhaft :)

Manche meiner Ladungen schießen mit RWS sehr genau, die anderern grottenschlecht mit RWS dafür super mit F210M. Wenn man wechselt und die Ladung am oberen Limit liegt kann es unter Umständen zu unschönen Nebenerscheinungen kommen.

Es geht mir nur um die Erkentniss aus Messwerten. Also wenn Du welche beisteuern kannst bitte ich würde mich freuen. Allgemeine Ratschläge bringen uns i diesem Faden nicht weiter.
 
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#7
@ Lacky0

...und einzelne Messwerte aus irgendwelchen unbekannten Chargen bekannter Hersteller unbekannter Herstellungsdaten mit Diversen Pulvern und verschiedenen Hülsen bei unbekannter Genauigkeit der Herstellung noch viel weniger!
Messwerte aus privaten Wiederladereien haben nur für den Einsender Wert, sie dürfen keinesfalls verallgemeinert werden. Aber aus langjähriger Erfahrung mit solchen Einzelergebnissen ergibt sich eine gute Kalkulationsbasis - auch für Ratschläge an Ratsuchende.
Denn mal gutes Gelingen...
 
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#8
Hallo, bei mir waren es Hülsen aus einem Los (gewogen), Geschosse aus einem Los, Pulver aus einem Los und auf Wunsch kann ich auch die Losnummer der ZH angeben sofern diese auf der Packung vermerkt sind. Auch die Messung wurde am selben Tag vom selben MA beim Beschussamt München ermittelt. Ein absolutes Ergebnis kann man nicht erwarten. Nur sollte noch jemand ähnliches "gemessen" haben könnte man eventuell eine Tendenz ableiten, mehr nicht. Das kann aber auch wieder bei einer anderen Patronenkombination schon ganz anders aussehen. Soll ja nur dem Austausch dienen...

Vielleicht kommt ja heraus dass alles ehe bedeutungslos ist...
 
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#9
Ist es nicht.
Alles hat Einfluß. Kürzlich habe ich 9,3×74R in Mellrichstadt messen lassen. Einziger Unterschied der beiden Laborierungen waren die Hülsen. Norma gegen RWS. Fazit: Norma mit minimalsten Abweichungen und bei 3279bar, RWS mit deutlichen Ausreißern und jenseits der 3400bar Marke (3447bar) und somit über dem erlaubten Betriebsdruck.
Ein verstorbener Freund hat viel in Wien für seine Afrika Kaliber testen lassen. Mit Federal gegen RWS Zünder gab es Druckunterschiede bis 500bar bei der 458 Lott.
Alles hat Einfluß und es sollte daher im Zweifel ans BA gehen.
Zu meinen obigen Daten: beide Laborierungen fliegen auf 100m ins gleiche Loch. Dennoch ist eine unzulässig. Die Geschwindigkeitsunterschiede sind marginal, nämlich 796m/s zu 804m/s. Drücke siehe oben. Und jetzt kann sich jeder seinen Reim selbst machen. Die Geschwindigkeit alleine ist kein Maß für die Einhaltung der Norm.
Habe die Ehre,
K95fuxx
 
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#10
Hallo Wiederladergemeinde,

es wird immer wieder behauptet das sich Zündhütchen auf den Druck der Patronen auswirken.
Da ich zumindest mal unterschiedliche Geschwindigkeiten (und Präzision) bei ZH Wechsel messen konnte habe ich mal zwei identische Ladungen mit unterschiedlichen ZH ans BA München gesendet um den Mythos auf den Grund zu gehen.

Patronewar 6,5x55, Pulver: MRP, Hülse: Lapua, Geschoss: Nosler Accubond 140 grain.

Hier die Werte (bitte nicht auf die Geschwindigkeit laden da der Druck Pmax überschreitet!):

ZH: CCI BR2
Druck: 3852 bar (Standardabweichung: 61 bar)
V0 (60cm Lauf): 852 m/s (Standardabweichung: 2,2 m/s)

ZH: F215M
Druck: 3920 bar (Standardabweichung: 73 bar)
V0 (60cm Lauf): 857 m/s (Standardabweichung: 4,7 m/s)

Da sich die Drücke bei unterschiedlichen Patronen und Pulver anders verhalten können würde es mich freuen, wenn wir hier noch weitere Messwerte zusammenkriegen.

Gruß
Lacky
Wenn möglich, lass Dir doch mal die Druckverläufe zu deinen Messungen vom BA geben.
Der maximale Druck ist nicht alles.
Generell beeinflusst die Qualität der Anzündung den Abbrandkoeffizienten und damit auch die Pulverlebhaftigkeit. Und dann gibt es noch so nette Effekte wie Nachbrenner...
 
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#12
Wenn möglich, lass Dir doch mal die Druckverläufe zu deinen Messungen vom BA geben.
Der maximale Druck ist nicht alles.
Generell beeinflusst die Qualität der Anzündung den Abbrandkoeffizienten und damit auch die Pulverlebhaftigkeit. Und dann gibt es noch so nette Effekte wie Nachbrenner...
Servus, ja die Druckverläufe habe ich mir natürlich geben lassen. Und da sieht man dass in der ersten Ladung oben die F215M etwas besser zusammenliegen und das Pulver früher und ohne "mini Verzögerung" Durchzündet. Dürfte bei sehr kalten Bedingungen eventuell von Vorteil sein.
 
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#14
Kennste den Spruch nicht, Mouseman?
Den nutzt der Franzose mit Übersicht über's Geschehen wenn er den Eindruck gewinnt, dass der andere ohne Durchblick sich in winzigsten Details verfängt.
Es bedeutet:
Lass uns zu den Wesentlichen Punkten kommen und nicht die vom Baum gefallene Birne daraufhin untersuchen, ob gleichzeitig die Erde auch auf die Birne fiel (tut sie, Massenwirkungsgesetz, nur halt in einer absolut irrelevanten Größenordnung).
 
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#15
Gleichmässigen Druck in der Hülse bestimmen primär gleichmäßige Hülsen.
Deshalb (wenns einem aufs letzte BAR ankommt) möglichst homogene Hülsen
verwenden.
(Materialcharge, Abmessungen, Masse, Anzahl bereits abgegebener Schüsse)
 

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