Gämse – Opfer der Forstpolitik in Bayern;

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#46
Wenn Du in meiner Gegend wohnen würdest, wüsstest Du sofort, wen ich meine. So aber sind Namen Schall und Rauch. :giggle:
Ist halt schon eine Weile her, dass ich in Oberbayern wohnte.
Neben Dr. Meister gab's noch ein paar andere ...


Das ist auch nicht Sache des Forsts, sondern a) des Verstandes und b) der Raumordnung. :eek:
Wenn aber bei der Raumordnung Mist gebaut wurde, dann sollen andere das ausbaden, bzw. dafür sorgen, dass die Schäden möglichst gering bleiben.
Und die Kosten, sei es beim Schutzwald oder bei der Eindeichung (zu) tief liegender Baugebiete, werden dann der Allgmeinheit aufgebürdet.


Ich behaupte trotzdem, dass Wild auch in einen Schutzwald passt. Über die tragbare Bestandesdichte will und habe ich nicht geschrieben. :whistle:
Genau DAS ist aber doch "der springende Punkt"!


Hmmm, das hätte ich mir jetzt fast nicht gedacht, dass die Forstwirtschaft wirtschaftet.... Puh, ist schon lange her, dass ich mit Matrikelnummer 86XXXXX auf der BOKU in Wien inskribiert war....
Sind wir uns also (weitgehend) einig?


Also hat sich vielleicht seither doch nichts geändert, oder? :p
Die Bäume wachsen noch immer von unten nach oben, aber nicht "in den Himmel", die Forstwirtschaft soll immer Geld verdienen, während Naturschutz und Landespflege "aus dem Vollen schöpfen" (um es höflich auszudrücken). ;)


Patentrezept hab ich leider auch keines und Variantenfahrer und ähnliches stehen nicht am Abschussplan....
Braucht's für die unbedingt einen Abschussplan?
Hat man bei Sauen doch auch nicht, v.a., wenn sie zu Schaden gehen.
Wenn man weit genug vorhält, dann rollieren die bestimmt, wie weiland die Hasen. :devilish: :evil:


WaiHei
 
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#47
...
Wie wäre die Antwort auf diese Frage wohl ausgefallen:
"Finden Sie es richtig, dass die Wildbestände in den Schutzwaldgebieten im Zuge der Schutzwaldsanierung reduziert werden, damit die darunter liegenden Orte und ihre Bewohner besser vor Lawinen und Muren geschützt werden?"

...
@ JMB,

das kann man so fragen! Dann sollte man aber konsequenterweise dem so Fragenden entgegnen:

"Sind Sie denn schon mal persönlich auf dem Berg gewesen und haben sich die Bereiche angeschaut, in denen Reh- und/ oder Gamswild steht und die Hänge betrachtet, in denen das Almvieh alles kurz und klein getreten bzw. geweidet hat?"

Wer nach regnerischem Wetter sieht, wo das Braun- und Grauvieh unterwegs war, der wird zumindest schwer ins Grübeln kommen.

Das Haus meiner Schwiegereltern steht direkt am Fuß des Hausberges und ist gerade so in der grünen Zone. Da stehen aber auch ausreichend Häuser in der Gelben und auch in der Roten.

Die letzte Mure, die vor etwa 15 Jahren zu Tal ging (da war ich gerade vor Ort), kam exakt aus dem Talausschnitt und von der Seite, in der im Sommer das Almvieh steht. Die andere Seite, bevorzugter Einstand von sehr viel (!) Reh- und Gamswild, ist der Höhenlage entsprechend mit Bewuchs geschützt. Bilder dazu hatte ich in einem anderen Thread schon mal eingestellt.

Über die hunderte von Schafen, die teils auch noch im Juli und August unterhalb der Baumgrenze stehen und alles abfressen was den Kopf rausstreckt, haben wir in dem Kontext noch gar nicht geredet.

Bei allem Bemühen um eine geboten kritische Betrachtung des Wildbestandes und der gebetsmühlenartig vorgetragenen forstlichen Doktrin, kann man ein paar Realitäten doch nicht ausblenden.

Wir (ich rede von Tirol) haben einen wirklichen sehr hohen Gamswild-Bestand, der Wald wächst (die wirtschaftliche Nutzbarkeit kann ich nur bedingt einschätzen) und mit Ausnahme der klassischen Lawinenstriche, ist da in den letzten 5 oder 6 Jahrzehnten kein Haus mehr durch eine Lawine gefährdet oder zerstört worden. ... und in dem seeeehr engen Tal gibt es umliegend Berge, die zwischen 2.400 und 3.300 Meter hoch sind.

Wenn es um Verbuschung geht - die ja laut vorheriger Aussagen gewünscht ist - kann ich gerne Bilder liefern, die das belegen. Es verbuscht so stark, dass es für uns zunehmend schwierig wird, den üppigen Gamswild-Besatz zu bejagen.

Wie können also die Tiroler (der wesentliche Teil meiner Familie sind Bergbauern mit Holzanteil) dort in friedlicher Koexistenz mit hohen Wildbeständen leben und wirtschaften, ohne, dass ihnen täglich eine Lawine oder Mure durch die Bude rutscht. Machen denn die Bayern etwas grundsätzlich falsch?

Zudem muss man vielleicht auch anerkennen, dass man eben in Bergwäldern nur bedingt sinnvoll wirtschaften kann oder sollte. Lassen wir die Gewinnung von Brennholz mal außen vor.

Möglicherweise kann man natürlich unterhalb von Extremlagen weder sinnvoll und sicher Straßen bauen, noch wohnen. Da ändert dann aber auch der Wildbestand nur sehr wenig.

Es ist übrigens ein Trugschluss, den klassischen alpinen Skitourismus für die Störung des Wildes verantwortlich zu machen. Die Größe der Skigebiete ist letztlich begrenzt und das Wild meidet im Winter diese Gebiete. Die größere Katastrophe, die wir immer wieder in Realität erleben, sind die ach so ökologischen Individualisten die sich als Tourengeher und teils auch Winterwanderer, vereinzelt und in Gruppen, überall (!) hin bewegen müssen.


Grosso
 
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#48
In Oberbayern kenne ich mich nicht aus, das gebe ich freimütig zu. Meine Überlegungen beziehen auf die Waldwirtschaft weiter im Süden.

Generell steht außer Frage, dass die Waldfläche in den Alpen stark vergrößert hat, besonders in den Regionen mit anspruchsvolleren Geländen und starker Abwanderung. Die Provinz Belluno ist ein schlagendes Beispiel für diese Entwicklung. Südtirol mag auf dem anderen Ende der Skala liegen, allerdings wachsen auch hier viele alte Lichtungen, Lärchenwiesen und Freiflächen ob der mangelnden Beweidung und Rentabilität zu.
Mit den größten Einfluss dürften die immer geringeren Auftreibungen haben, wie auch der Appendix zeigt.

Diese starke Ausbreitung, Verdichtung und Verbuschung des Waldes ging einher mit der rapiden Zunahme der Gams. Wie Grosso schrieb ist ironischerweise die klassische Bejagung derselben im immer buschigeren Bergwald mit auffälligen Zirbennachwuchs und wachsenden Latschengürteln stark erschwert. Gerade lokal stark bedrohte Arten wie der Spielhahn leiden auch unter dem dichteren und größeren Bestand.

Ausnahmen gibt es lokal zweifelsfrei immer, aber wie kann unter solchen Bedingungen fast generell die massive Reduktion von Wildbeständen im Bergwald fordern?

WmH
Kronberg
 
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#49
Wer nach regnerischem Wetter sieht, wo das Braun- und Grauvieh unterwegs war, der wird zumindest schwer ins Grübeln kommen.
Wer im Bergwald als Förster mit der Waldweide zu tun hat, der ist so etwas, wie ein Missionar - und kann leicht auch so enden.
Verfasser bekannt


WaiHei
 
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#50
Oberbayern und Tirol lässt sich eigentlich schwer vergleichen. Sowie BaySF und ÖBF.

Sicher ist jedenfalls das eine Bewirtschaftung wie in Tirol üblich, diese (sehr) großen Hiebe im Bergwald, in Bayern undenkbar sind. Die Bevölkerung würde den Förster lynchen. Man wäre sofort als Waldzerstörer in der Zeitung. Erstaunlich das die Menschen auf der andere Seite vom Berg die Welt irgendwie mit anderen Augen sehen.

I

Ausnahmen gibt es lokal zweifelsfrei immer, aber wie kann unter solchen Bedingungen fast generell die massive Reduktion von Wildbeständen im Bergwald fordern?
In den man mal in den Bayrischen Bergwald geht und sich dort umschaut. Was ich dort seit Jahren sehe ist das der Wald sich nicht mehr verjüngt. An schlimmen Orten kommt nichtmal Buche oder Fichte hoch. Alles zu Büschen verbissen oder verfegt. Selbst mit Einzelschutz wächst keine Tanne aus dem Äser. Rotwild beißt die Plastikteile mit dem Trieb ab und spuckt sie daneben. Ansonsten Entmischung, der Bergahorn z.B. verschwindet komplett. Andere Pflanzen natürlich auch. Da wo der Abschuss angezogen wird kommt dann wieder verjüngung hoch. Der Zusammenhang ist ganz klar sichtbar. Die Gams Strecken sind ja stabil. In den Revieren wo ich im Herbst auf Gamsjagd gehe besteht keine Schwerigkiet den Abschuss zuerfüllen. Von ausrottung kann also keine Rede sein. Das dann die Eibe wieder wächst, nach wechsel der Jäger, freut einen natürlich und zeigt auch ganz klar wieder die Zusammenhänge auf.
 
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#51
Wenn es um Verbuschung geht - die ja laut vorheriger Aussagen gewünscht ist - kann ich gerne Bilder liefern, die das belegen. Es verbuscht so stark, dass es für uns zunehmend schwierig wird, den üppigen Gamswild-Besatz zu bejagen.
Will das noch präzisieren: Mit „erwünschter Verbuschung" im Schutzwald meinte ich schon Waldarten, also zb Strauchhasel, und sich verjüngende Baumarten. Also einen Baumbestand, der unten rum nicht „nackert" ist sondern mindestens eine zweite Baum- bzw. Strauchschicht aufweist.

Eine Alpenrosendickung mit ein paar Legerlen ist zwar hübsch anzusehen, sie bietet aber kaum Lawinen- und Steinschlagschutz. Dazu brauchts schon einen „richtigen" Wald.

Machen denn die Bayern etwas grundsätzlich falsch?
Ich kanns als Österreicher vielleicht ein wenig erhellen:

Der Umgang mit Naturkatastrophen ist in AUT, und dort besonders in den Alpen, ein anderer als in BRD. Keiner freut sich in AUT wenn eine Lawine oder Mure abgeht und eine Straße verschüttet. Aber das kann nun mal einfach passieren und wird dort, wo nicht viel kaputtgehen kann, als das „geringere Übel" angesehen - denn die Vermeidungsmaßnahmen wären ungleich aufwendiger, als den (möglicherweise nie eintretenden) Schaden zu reparieren.

In BRD dagegen wird es als Angriff auf die nationale Sicherheit empfunden wenn irgendeine unbedeutende Nebenstraße nicht zu jeder Tages- und Nachtzeit das ganze Jahr über befahrbar ist. Da werden dann Millionenbeträge aufgewendet um die Natur im Vorfeld in die Schranken zu weisen. Ohne zu hinterfragen, wie gerechtfertigt das sein mag.

Ich mag mir gar nicht vorstellen, was sich in einem deutschen Beamtenkopf abspielt wenn er zur Kenntnis nehmen muss, dass eine Straße zu Weihnachten aufgrund der Lawinengefahr gesperrt werden musste - Supergau! Bei uns in AUT werden temporäre Straßen- und Gebietssperrungen aufgrund von Naturgefahren dagegen als „Normalzustand" akzeptiert, und entsprechend machen wir nur dort einen baulichen und gestalterischen Aufriss um den Katastrophenschutz wo wirklich Menschen, Gebäude oder wichtige Infrastruktur bedroht sind. Für alles andere gibts die Freiwillige Feuerwehr und notfalls das Bundesheer (y)
 
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#52
Oberbayern und Tirol lässt sich eigentlich schwer vergleichen. Sowie BaySF und ÖBF.

Sicher ist jedenfalls das eine Bewirtschaftung wie in Tirol üblich, diese (sehr) großen Hiebe im Bergwald, in Bayern undenkbar sind. Die Bevölkerung würde den Förster lynchen. Man wäre sofort als Waldzerstörer in der Zeitung. Erstaunlich das die Menschen auf der andere Seite vom Berg die Welt irgendwie mit anderen Augen sehen.
In der Region, über die ich spreche, gibt es keine großen Einschläge.

Wir kamen ja in der sehr speziellen Diskussion ursprünglich über das Thema Schutzwald und erst in zweiter Priorität über den Wald als wirtschaftlich nutzbaren Raum.

Wenn ich über die Notwendigkeit des Schutzwaldes und die damit verbundene lokale Umgehensweise rede, spreche ich über ein enges Tal direkt am/ auf dem Alpenhauptkamm. Die einzige mir (!) dort bekannte Form der Nutzung erfolgt in der Einzelstammselektion. Da geht der Förster durch den jeweiligen Bestand und kennzeichnet sehr selektiv, welche Einzelstämme durch Mitglieder der Agrargemeinschaft oder den beauftragten Lohnunternehmer entnommen werden dürfen.

In den man mal in den Bayrischen Bergwald geht und sich dort umschaut. Was ich dort seit Jahren sehe ist das der Wald sich nicht mehr verjüngt. An schlimmen Orten kommt nichtmal Buche oder Fichte hoch. Alles zu Büschen verbissen oder verfegt. Selbst mit Einzelschutz wächst keine Tanne aus dem Äser. Rotwild beißt die Plastikteile mit dem Trieb ab und spuckt sie daneben. Ansonsten Entmischung, der Bergahorn z.B. verschwindet komplett. Andere Pflanzen natürlich auch. Da wo der Abschuss angezogen wird kommt dann wieder verjüngung hoch. Der Zusammenhang ist ganz klar sichtbar. Die Gams Strecken sind ja stabil. In den Revieren wo ich im Herbst auf Gamsjagd gehe besteht keine Schwerigkiet den Abschuss zuerfüllen. Von ausrottung kann also keine Rede sein. Das dann die Eibe wieder wächst, nach wechsel der Jäger, freut einen natürlich und zeigt auch ganz klar wieder die Zusammenhänge auf.
Nochmals der Einwand, dass unsere Diskussion über die Schutzfunktion (Lawinen, Muren ...) startete und weniger auf eine Nutzung, noch den Wunsch nach einem Märchenwald abhob.

Die Region, die ich in Tirol kenne und die sicher potenziell lawinengefährdet ist, gewährt - aufgrund der Höhenlage und der Hanglagen - wohl weder Buche, Bergahorn noch Eibe eine Heimat. Deren konkrete und besondere Lawinenschutzfunktion (gegenüber Fichte, Lärche und Zirbe) ist mir auch nicht so ganz klar.

WENN wir die Diskussion schwerpunktmäßig über rein wirtschaftliche Interessen führen, dürfen wir auch nicht so ein Geschisse um den Hambacher-Forst machen. Vereinfacht müssen dann auch die wirtschaftlichen Interessen der RWE gegen den Wald und die Pechsteinfledermaus siegen.


Grosso
 
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#53
...
Ich kanns als Österreicher vielleicht ein wenig erhellen:

Der Umgang mit Naturkatastrophen ist in AUT, und dort besonders in den Alpen, ein anderer als in BRD. Keiner freut sich in AUT wenn eine Lawine oder Mure abgeht und eine Straße verschüttet. Aber das kann nun mal einfach passieren und wird dort, wo nicht viel kaputtgehen kann, als das „geringere Übel" angesehen - denn die Vermeidungsmaßnahmen wären ungleich aufwendiger, als den (möglicherweise nie eintretenden) Schaden zu reparieren.

In BRD dagegen wird es als Angriff auf die nationale Sicherheit empfunden wenn irgendeine unbedeutende Nebenstraße nicht zu jeder Tages- und Nachtzeit das ganze Jahr über befahrbar ist. Da werden dann Millionenbeträge aufgewendet um die Natur im Vorfeld in die Schranken zu weisen. Ohne zu hinterfragen, wie gerechtfertigt das sein mag.

Ich mag mir gar nicht vorstellen, was sich in einem deutschen Beamtenkopf abspielt wenn er zur Kenntnis nehmen muss, dass eine Straße zu Weihnachten aufgrund der Lawinengefahr gesperrt werden musste - Supergau! Bei uns in AUT werden temporäre Straßen- und Gebietssperrungen aufgrund von Naturgefahren dagegen als „Normalzustand" akzeptiert, und entsprechend machen wir nur dort einen baulichen und gestalterischen Aufriss um den Katastrophenschutz wo wirklich Menschen, Gebäude oder wichtige Infrastruktur bedroht sind. Für alles andere gibts die Freiwillige Feuerwehr und notfalls das Bundesheer (y)
Möglicherweise hast Du da Recht, von der Seite habe ich es noch nicht betrachtet. Ich habe es in Tirol durchaus schon das eine oder andere Mal erlebt, dass da eine Straße temporär gesperrt war.

Die, die dort geboren und aufgewachsen sind, nehmen das mit einer großen Gelassenheit, die wissen ja, welche Landschaft sie umgibt.

In unserem Revier fällt im Schnitt jedes Jahr mindestens einer vom Berg. Es ist aber auch noch keiner auf die Idee gekommen, die Berge abtragen und begradigen zu wollen.


Grosso
 
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#54
In den man mal in den Bayrischen Bergwald geht und sich dort umschaut. Was ich dort seit Jahren sehe ist das der Wald sich nicht mehr verjüngt. An schlimmen Orten kommt nichtmal Buche oder Fichte hoch. Alles zu Büschen verbissen oder verfegt. Selbst mit Einzelschutz wächst keine Tanne aus dem Äser. ... Ansonsten Entmischung, der Bergahorn z.B. verschwindet komplett. Andere Pflanzen natürlich auch. Da wo der Abschuss angezogen wird kommt dann wieder verjüngung hoch.
Nochmals der Einwand, dass unsere Diskussion über die Schutzfunktion (Lawinen, Muren ...) startete und weniger auf eine Nutzung, noch den Wunsch nach einem Märchenwald abhob.
:rolleyes:
Und was genau hat jetzt die Forderung nach angepassten Wilddichten, um obige Zustände NICHT (dauerhaft) zu haben mit "Märchenwald" zu tun?

Sonst wird immer über die bösen "Mono-Kulturen" gesprochen, wenn aber das Wild für die Entmischung verantwortlich ist, dann soll das plötzlich keine Rolle mehr spielen?!


WaiHei
 
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#55
:rolleyes:
Und was genau hat jetzt die Forderung nach angepassten Wilddichten, um obige Zustände NICHT (dauerhaft) zu haben mit "Märchenwald" zu tun?

Sonst wird immer über die bösen "Mono-Kulturen" gesprochen, wenn aber das Wild für die Entmischung verantwortlich ist, dann soll das plötzlich keine Rolle mehr spielen?!


WaiHei
Wenn denn die Diskussion so nachdrücklich und singulär über den ach so dramatisch wichtigen Schutzwald eingetütet wird, dann ist eine Entmischung nach meinem Verständnis (!) völlig egal. Offensichtlich ergehen sich Forst und Politik doch da schon in einer Theatralik bis hin zur Selbstaufgabe.

Sollte die Fichte und Zirbe allerdings auch nicht hochkommen, dann sollten sich die bayrischen Förster allerdings tatsächlich um intensive Nachhilfe in Tirol bemühen. Da gibt es für diese Baumarten weder gegatterte Flächen noch Einzelschutz.

Warum sollte ein Schutzwald - und um den ging es in dieser Diskussion - soweit er seine Funktion erfüllt und ausreichend stabil ist, nicht denkbarerweise auch eine reine Nadelholz Kultus aus Zirbe, Lärche und Fichte sein. Sollte eine Kultur aus Fichte, Lärche und Zirbe nicht witterungsstabil sein, muss das jemand den Bäumen in Tirol sagen, die wissen das nämlich noch nicht.

Davon abgesehen habe ich mal gelernt, würde man nicht weiter eingreifen, wären weite Flächen Deutschland zum Zeitpunkt x beispielsweise nahezu ausschließlich mit der Buche bewaldet. Wenn das so richtig ist, wäre in weiten Teilen der Wunsch nach einem 'durchmischten Bestand' eben der Wunsch nach einem Märchenwald. Täusche ich mich?


Grosso
 
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#56
Ja! Du täuschst Dich.
Unter welchen standörtlichen und klimatischen Verhältnissen z.B. Lärche und Fichte (in inniger Mischung) vorkommen ist eine weitere Frage.
Allein darin dürften sich Oberbayern und Tirol deutlich unterscheiden.

Der Wald ist seit sehr langer Zeit auch Nutzwald.
Der Natur ist es völlig egal, ob große Waldflächen von Katastrophen, Borkenkäfern, ... heimgesucht werden - wartet sie halt ein paar 100 bis ein paar 100.000.000 Jahre.

Wenn man natürlich keine Vorstellung von multifunktionaler Forstwirtschaft hat ...


über den ach so dramatisch wichtigen Schutzwald
Da hast Du natürlich Recht!
Schutzwald ist völlig unwichtig, v.a. für die unterhalb lebenden Menschen ...
Langsam wird's wirklich albern!


WaiHei
 
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#57
Ja! Du täuschst Dich.
Unter welchen standörtlichen und klimatischen Verhältnissen z.B. Lärche und Fichte (in inniger Mischung) vorkommen ist eine weitere Frage.
Allein darin dürften sich Oberbayern und Tirol deutlich unterscheiden.

Der Wald ist seit sehr langer Zeit auch Nutzwald.
Der Natur ist es völlig egal, ob große Waldflächen von Katastrophen, Borkenkäfern, ... heimgesucht werden - wartet sie halt ein paar 100 bis ein paar 100.000.000 Jahre.

Wenn man natürlich keine Vorstellung von multifunktionaler Forstwirtschaft hat ...

Da hast Du natürlich Recht!
Schutzwald ist völlig unwichtig, v.a. für die unterhalb lebenden Menschen ...
Langsam wird's wirklich albern!


WaiHei

@ JMB,

ich habe doch die Wichtigkeit des Schutzwaldes nicht mit einem Wort in Abrede gestellt. Zumindest kann ich die Stelle nicht finden, wo ich das getan hätte. Da haben wir doch Einigkeit.

Mich stört schlicht der so formulierte Einstieg in die zwingend notwendige Reduktion des Schalenwildes über die singuläre Notwendigkeit des Lawinenschutzes, die entsprechend dramatisch vorgetragen wird, um dann - wenn es denn gerade nicht mehr passt oder ausreicht - auf andere Felder auszuweichen.

Wenn der Schutzwald lokal diese herausragende Bedeutung hat, dann sind andere (wirtschaftliche oder 'weil es so hübsch ist') Argumente eben nicht oder nur sehr bedingt von Bedeutung. Dann muss da vielleicht auch nicht unbedingt Mischwald her. Wenn es primär um den Schutz gehen muss, ist auch vielleicht ein Teil (!) der multifunktionalen Forstwirtschaft lokal nur bedingt relevant.

Sorry, aber da kann und sollte sich dann auch Forst bitte die Argumente nicht fallweise gerade so biegen, wie sie opportun erscheinen.

BTW: gibt es eine Aufstellung, wo in den letzten Jahrzehnten in Oberbayern denn entsprechende Lawinenabgänge oder Muren zu beklagen waren - verursacht durch fehlenden Schutzwald in tatsächlich schützbarem Gelände - die von signifikanter Größenordnung gewesen wären? Ich habe wirklich absolut kein Gefühl über welche Menge an relevanten Ereignissen wir da reden.


Grosso
 
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#58
...

Wenn man natürlich keine Vorstellung von multifunktionaler Forstwirtschaft hat ...

...
Dann möge aber Politik und Forst nicht den Menschenfänger geben und über den Schutz vor Lawinen reden, sondern sagen, 'multifunktionale Forstwirtschaft' sei das Ziel und daher müsse man das Schalenwild reduzieren.

Wenn man dann noch eine nachvollziehbare und vermittelbare Definition von multifunktionaler Forstwirtschaft nachschiebt und erklärt, warum das nur mit der Doktrin der Schalenwildreduktion einher gehen kann, kann es doch klappen mit dem gemeinsamen Verständnis.

In einem recht großen Forstamt mit großem zusammenhängenden Waldgebiet ist man laut Aussagen der Revierförster bei einem Verfbiss nahe Null, müsse aber immer noch weiter reduzieren, weil man ja der Nachhaltigkeit und dem Klimaschutz verpflichtet sei. Das erschließt sich mir dann nicht mehr so wirklich. Mag aber an meiner mangelnden spezifischen Kompetenz liegen.


Grosso
 
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#59
Warum sollte ein Schutzwald - und um den ging es in dieser Diskussion - soweit er seine Funktion erfüllt und ausreichend stabil ist, nicht denkbarerweise auch eine reine Nadelholz Kultus aus Zirbe, Lärche und Fichte sein. Sollte eine Kultur aus Fichte, Lärche und Zirbe nicht witterungsstabil sein, muss das jemand den Bäumen in Tirol sagen, die wissen das nämlich noch nicht.
Das ist nicht das Problem, jedenfalls noch nicht. Das Problem ist viel mehr der Klimawandel:

Durch die globale Erwärmung ist eine Verschiebung der klinalen Zonierung der Waldgesellschaften zu erwarten. Heisst auf Deutsch: Die Fichte, Zirbe uä. haben ihre natürliche Verbreitung in einem recht engen „Gürtel" zwischen den Buchenwäldern (die mögens eher warm), und der Krummholzregion. In diesem Streifen sind diese Baumarten stabil und dominant und können sich ggü. der kälteempfindlichen Buche behaupten.

Wenns allerdings wärmer wird (und das wird es, auch in Tirol!), dann kriegt der Fichtengürtel, der vielerorts den Schutzwald darstellt, ein Problem: Trockenstress, Borkenkäfer, flächiger Ausfall (siehe Bayerischer Wald!).

Die Schutzwirkung der fichtendominierten Schutzwälder steht daher aus heutiger Sicht unter keinem guten Stern. DARUM bemüht man sich, schon jetzt klimastabile Baumarten dort zu etablieren, die bei Ausfall des Fichtengürtels dann „übernehmen" können.

Ich hab so ein Szenario mal mit Daten vom PIK Potsdam für meinen Hausberg durchgespielt, und bin auf eine Verschiebung des buchendomierten Waldes um rd. 200 Höhenmeter nach oben bis zum Jahr 2055 gekommen. Das PIK ist übrigens eine wirklich gute Adresse falls sich jemand für den Klimawandel interessiert und sich dbzgl. weiterbilden möchte.
 
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#60
Übrigens bilden die Buchen bei uns an machen Stellen schon lange die Waldgrenze.
Hängt mit vom geologischen Untergrund ab, aber auch von der forstlichen Ausplünderungs- äh "Nutzungs"geschichte.

Und ausserdem sind die Buchen bei den Forst"experten" doch auch wieder nicht erwünscht, die werden nicht genug verbissen und entmischt, da muss dann der Förster höchstselbst nachhelfen ...

"Forst herrscht nach Belieben
Der bayerischen Staatsforstbetrieb Oberammergau ist stolz auf seine Waldbewirtschaftung. Der neueste Schrei dabei: Buchen vernichten
..."

https://www.jagderleben.de/news/forst-herrscht-belieben
 
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